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.. „Die Bilderfindungen Ursula Reicharts speisen sich aus dem Material organischer Bausteine, wie Zellen und Gewebe. Bereits ein erster Blick auf die Bildoberfläche offenbart derartige Strukturelemente, die uns aus biologischen Abbildungen und Schautafeln bekannt vorkommen. Zum einen überarbeitet die Künstlerin mit Farbe vorgefundene Grundlagen, die aus dem naturwissenschaftlichen Bildvorrat stammen, zum anderen nutzt sie deren strukturelle Vorgaben, um zu eigenen Bilderfindungen zu gelangen. …“

… „Der Blick unter die Oberfläche der Haut, die Erforschung und Visualisierung des Organischen wäre nicht möglich ohne die Erkenntnisse der modernen Anatomie: und diese verdankt sich nicht zuletzt dem toten Körper, der als wissenschaftliches Objekt der Sektion zur Verfügung stand. Wer einmal ein anatomisches Museum betreten hat, wird sich an den gemischten Eindruck von Schrecken und Schönheit erinnern, den die in Alkohol eingelegten Präparate von Organen und Körperelementen ausstrahlen. Die Schönheit rührt aus ihrer nahezu skulpturalen Organik, die das natürlich Gewachsene als ästhetisches Objekt sehen lässt. Andererseits sorgt das dem Körper entnommene für die Atmosphäre des Schreckens: Wir erkennen einen Teil unseres eigenen körperlichen Daseins, das als vereinzeltes und isoliertes Objekt zu einem Eigenleben zu gelangen scheint. …“